Sicherheitshinweise

Die Radios der 50er und 60er Jahre entsprachen zum Zeitpunkt des "in Verkehr bringens" den einschlägigen Vorschriften zur elektrischen Sicherheit für Rundfunkgeräte, würden aber heute kaum in dieser Form auf den Markt gebracht werden können, weil sie den heutigen Vorschriften zur elektrischen Sicherheit nicht mehr genügen. Aber die Haftung der Hersteller zur Produktsicherheit (Produkthaftung) ist erloschen (verjährt).

Die Inbetriebnahme alter Radios erfolgt also auf eigene Gefahr.
Früher wusste jeder um den Umgang mit diesen Geräten, heute ist das vermutlich in Vergessenheit geraten. Achten Sie daher bei der Aufstellung auf einen Abstand zur dahinterliegenden Wand, die Luft muss durch die Geräterückwand zirkulieren können. Denken Sie immer daran, dass im Gerät hohe Temperaturen auftreten und sich die Gehäuse erwärmen, ganz besonders bei den kleinen Radios. Lassen Sie das Gerät niemals bei Abwesenheit eingeschaltet. Ziehen Sie bei längerer Abwesenheit den Netzstecker, bzw. benutzen Sie für Ihre Röhrenradios grundsätzlich eine schaltbare Steckerleiste (manche Radios werden mit dem eingebauten Netzschalter nur einpolig vom Netz getrennt). Jahrzehnte alte Bauteile können unter ungünstigen Umständen "abfackeln", bevor sie ihren Geist aufgeben.
Wenn es sich um einen ersten Versuch der Inbetriebnahme bei einem noch unbekannten Gerät handelt, ist Vorsicht geboten. Mehr als 40 Jahre alte Bauteile können nicht bemerkbare Fehler haben. Kondensatoren können Partikel der Vergussmasse ausstoßen, im Extremfall explodieren. Elektrolyt- kondensatoren haben ein Ventil zum Ausstoß des Elektrolyts.
Eine Schutzbrille gehört daher zur Ausstattung des Reparaturplatzes.
Achten Sie besonders darauf, dass die vorschriftsmäßigen Sicherungen im Gerät verwendet werden, Flohmarktgeräte sind gelegentlich mit Draht "gesichert".
Unter ungünstigen Umständen kann dies zu einem Brand führen!
Der Laie, der nicht in der Lage ist die wichtigsten Ströme und Spannungen zu messen, darf ein Gerät, bei dem die Sicherung auslöst, nicht in Betrieb nehmen.
Bei den meisten Geräten lässt sich die Rückwand ohne Verwendung von Werkzeugen abnehmen. Stellen Sie sicher, dass dies Ihre Kinder nicht entdecken. Ganz besondere Vorsicht ist bei Allstromgeräten geboten. Bei diesen sollten Sie unbedingt den Netzstecker ziehen, wenn das Gerät nicht in Betrieb ist und "kleine" (setzen Sie die Grenze nicht zu niedrig an) Kinder im Haus sind. Die Verwendung von Kindersicherungen an den Steckdosen sollte ohnehin selbstverständlich sein.
Aber auch bei einigen kleinen Wechselstromgeräten wurde manchmal aus Kostengründen auf einen Transformator für die Hochspannung verzichtet, sodass dieses Gefahrenpotential nicht allein an den U- Röhren erkennbar ist. Man kann den mit dem Chassis verbundenen Kontaktstift des Netzsteckers kennzeichnen und den Stecker immer so einstecken, das der Null- Leiter (der ebenfalls gekenn- zeichneten Steckdose) mit dem Chassis verbunden ist. Obwohl die Anschlusskabel der Radios meistens mit einem Schuko- Stecker ausgerüstet wurden, darf der Schutzkontakt nicht angeschlossen werden.
Nehmen Sie niemals ein Ihnen noch unbekanntes Gerät in Betrieb, solange Sie nicht wissen, ob es sich um ein Allstromgerät handelt. Hier müssen unbedingt die Isolierungen aller Befestigungsschrauben und auch die Madenschrauben der Drehknöpfe überprüft werden. Kein von außen berührbares Metallteil darf mit dem Chassis Kontakt haben. Bei Flohmarktgeräten ist mit solchen Sicherheitsmängeln zu rechnen, weil manchmal zugunsten des äußeren Eindrucks unsachgemäß geflickt wurde. PHILETTA's sind sowohl begehrte Flohmarktgeräte als auch typische Allstromgeräte.

Die in einem Radio erzeugte Anodengleichspannung kann in bestimmten Betriebszuständen mehr als 350 Volt betragen. Daher muss sehr konzentriert gearbeitet werden. Arbeiten Sie niemals unter Zeitdruck oder Ablenkung, wenn der Netzstecker eingesteckt oder das Gerät eingeschaltet ist. Auch der Autor dieser Anleitung bekommt hin und wieder "einen gewischt", trotz aller Vorsichts- maßnahmen (durch die schutzgeerdete Arbeitsleuchte zum Beispiel). Benutzen Sie nach Möglichkeit 12 Volt- Halogenleuchten ohne schutzgeerdete Teile. Sorgen Sie dafür, dass der gesamte Arbeitsplatz stromlos ist, wenn Sie diesen verlassen, auch bei sehr kurzfristiger Abwesenheit.

Nicht umsonst ist auf der Rückwand fast aller alten Radiogeräte der folgende Hinweis zu finden:

Vor Abnehmen der Rückwand Netzstecker ziehen!
Dieser Hinweis muss unbedingt befolgt werden. Hier führen ungeschützte Teile Spannung, 230 Volt aus dem Netz und bis zu 300 Volt Gleichspannung (in der Aufheizphase auch darüber) zur Versorgung der Röhren.
Nur der Fachmann weiß, was er berühren darf und was nicht. Nur der Fachmann ist in der Lage, die Gefährdungen auszuschließen und auch ein Messgerät mit Schutzleiterverbindung so anzuschließen, dass der Fehlstromschalter nicht auslöst. Auch wenn die Chassis der meisten Wechselstromgeräte von der Netzspannung entkoppelt sind, kann man sich wegen möglicherweise defekter Bauteile darauf nicht verlassen.
Prüfen Sie daher auch bei Wechselstromgeräten, ob das Chassis Verbindung mit dem Stromnetz hat. Dazu reicht ein üblicher Spannungsprüfer, wobei der Netzstecker auch "andersherum" ein- gesteckt, also umgepolt werden muss. Bei vielen Geräten liegt die Primärwicklung ein- oder beidseitig am Netz, typischerweise über einen 5nF Kondensator. Diese Kondensatoren sind sehr häufig defekt. Man kann diesen Kondensator auch ersatzlos weglassen, wenn ein geeigneter Ersatz (mit hoher Wechselspannungsfestigkeit!) nicht beschaffbar ist.
Bei älteren Geräten liegt der Empfängereingang u. U. über einen Kondensator direkt am Netz die sogenannte Netzantenne. Auch dieser Kondensator muss sorgfältig geprüft werden.
Bei Geräten mit U- Röhren (deren Bezeichnung mit dem Buchstaben "U" beginnt) ist besondere Vorsicht geboten: Es handelt sich um sog. Allstromgeräte, die sowohl mit Wechselstrom als auch mit Gleichstrom betrieben werden können. Ein Relikt aus früheren Zeiten. Es gibt keine Entkopplung von der Netzspannung.
Hier darf der Laie niemals den Stecker bei abgenommenen Schutzdeckeln einstecken.
Gelegentlich erübrigt sich der Hinweis zum Ziehen des Netzsteckers, wenn aus der Rückwand nur ein kurz abgeschnittenes Netzkabel herausragt: Es handelt sich um ein Gerät vom Sperrmüll. Diese Geräte sind meistens äußerlich in einem schlechten Zustand, für den technischen Zustand des Innenlebens folgt dies jedoch nicht zwangsläufig. Man kann aber davon ausgehen, dass ein Sperrmüllradio schon längere Zeit außer Betrieb gewesen ist und geht entsprechend vorsichtig heran. Der Einschaltvorgang sollte in diesem Fall nur im Rahmen der im Teil 2 beschriebenen Messungen und Maßnahmen erfolgen.

Aus:   Radios der 50'er Jahre   Restauration, Wiederinbetriebnahme und Reparatur