Die Geschichte der Philetta-Rundfunkgeräteserie geht zurück auf das Jahr 1941. Damals konstruierten holländische Ingenieure einen 4-Röhren/ 6-Kreis-Super für den Export. Speziell für dieses Gerät mit den Abmessungen 245 mm x 162 mm x 130 mm entstanden Drehkondensatoren, Bandfilter und Lautsprecher en miniature. Das dunkelbraune Preßstoffgehäuse der PHILETTA 203 U in Form eines angeschobenen Kommißbrotes gab dem Empfänger seinen Namen: Kommißbrotradio.
Das Schaltungskonzept des Empfängers entwarf man nach extremen Sparvorgaben und entsprach damit den Auflagen, denen deutsche Rundfunkwerke auch für ihre zivile Kriegsproduktion unterworfen waren. Das Kommißbrotradio war schließlich so bekannt, daß etablierte Firmen es auch während des Krieges nachbauten. So gab es die Philetta 203 U in gleicher Ausführung auch als Blaupunkt-, Brandt-, Braun-, Eumig-, Graetz-, Horny-, Ingelen-, Loewe Opta-, Minerva-, Nora-, Stassfurt-, TeKaDe- und Zerdik-Gerät.
Aufsteckbare Glasskale, die häufig zu Bruch ging
Erst im Modelljahr 1949/50 wurde die Philetta 49, nun als Type
BD 293 U, bzw. Philetta A, Type BD 294 U, neu aufgelegt. Das Gerät
hatte eine aufsteckbare Glasskale, die häufig beim Staubwischen zu
Bruch ging. Das ist auch der Grund dafür, daß dieses kleinformatige
Radio heute meist ohne Skale für Sammler angeboten wird.
Bezüglich des Service war der Empfänger wenig beliebt, denn
für die Führung des Skalenseils wurden Umlenkrollen im Gehäuse
mitbenutzt. Das bedeutete geduldiges Hantieren mit Pinzetten und speziellen
Zangen.
Die Konstrukteure entwickelten im Modelljahr 1950/51 die etwas größere
Philetta
50. Die nun aus Kunststoff bestehende Skale bildete rnit dem Lautsprechergrill
eine verschraubte Einheit.
Einsteigergerät oder Konfirmationsgeschenk
Die letzten Röhrengeräte kamen im Jahre 1967 auf den Markt.
Die Philetta-Radio-Familie wurde damit zu der am längsten gebauten
Serie eines europäischen Radiowerks.
Die Markenradios waren in den 50er Jahren für Käufer bestimmt,
die sich für ein Gerät der unteren Preisklasse (170 bis 230 DM)
entschieden hatten. Diese Preislage ermöglichte auch den damals üblichen
Kauf auf Raten. So war ein solches Radio oft das Einsteigergerät für
die junge Familie oder das Konfirmationsgeschenk überhaupt! Der betriebssichere
Empfänger überlebte den steigenden Wohlstand noch Jahrzehnte
als Küchenradio, kam dann ins Kinderzimmer und war am Ende auch noch
gut für den Arbeitsplatz.
Die Geräte zeichneten sich durch ihre Empfindlichkeit und Trennschärfe
aus. Sie konnten alle üblichen Bereiche, wie U/K/M/L, empfangen. Da
ein Betreiben auch an den unterschiedlichsten Netzen möglich war,
erfreuten sie sich auch als Seemannsradio großer Beliebtheit
und vermittelten auf Kurzwelle den Kontakt zur Heimat.
Ausgeprägte Modelipflege
Die Firma Philips betrieb eine ausgeprägte Modellpflege. Was die
neuen Modelljahre auch immer an Innovationen brachten, ein Teil davon floß
in die Produktion der laufenden Serie. Angefangen von nachrüstbaren
UKW-Vorsätzen, über Tastensätze, Ferritantennen, Buchsen
für Plattenspieler- und Tonbandgeräteanschluß, gedruckte
Schaltungen, Schnittbandkerne, Geräte für Allstrom- oder reinen
Wechselstromanschluß, all das gab es auch bei der Philetta. Am Anfang
der Serie waren die Kunststoffgehäuse noch weiß. Später
gab es zusätzlich Serien mit mahagoni- oder goldfarbenen Gehäusen,
am Ende sogar ein Holzgehäuse.
Den steigenden Ansprüchen der Käufer gerecht werdend, gab
es ab dem Jahr 1957/58 auch die Philetta de Luxe mit Magischem Auge als
Abstimmhilfe. In späteren Serien ab 1959/60 wurde die Modellpalette
wesentlich erweitert. Es folgte das preiswerte Einsteigerradio Philettina
anfangs in einer Ausführung für UM Empfang, später auch
nur für Mittelwelle und weitere Sondermodelle. In der Saison 1961/62
kam die Philetta Transistor B 3 D 22 T, auf den Markt, die sich äußerlich
nur durch den Schriftzug Transistor von den Röhrenempfän- gern
unterschied. Das Gerät bewährte sich jedoch nicht, da es mit
nicht auslaufsicheren Flachbatterien betrieben wurde und die Käufer
es oft versäumten, die verbrauchten Batterien zu entfernen.
Wie bereits angedeutet, wurde die Philetta-Serie als Röhrengerät
26 Jahre lang gebaut. Das letzte Gerät war die Philetta de Luxe
Euro, 12 RB 380, aus dem Modelljahr 1968/69, die mit den Modellen aus
den Anfangsjahren nichts mehr gemein hatte und nun schon volltransistorisiert
war.
Der Erfolg ließ die Konkurrenz nicht ruhen. Viele namhafte deutsche
Rundfunkwerke schwammen auf der Welle preiswerter Einsteigermoddle mit
und produzierten Geräte, die das Philips- Modell unverkennbar als
Vorbild hatten. Keine dieser Serien erreichte indessen die Popularität
des ursprünglichen Modells.
Gab es die klassische Philetta?
Sollten Sie in Ihrem Bestand noch eine Philetta haben, können
Sie Ihren Empfänger anhand der Tabelle dem Modelljahr zuordnen. Die
jungen Leute von heute haben oft eine Freude daran, die kleinformatigen
Geräte aus den Teenagerjahren ihrer Eltern weiter zu betreiben. Dabei
stellt sich natürlich die Frage, ob es bei der Serie das klassische
Gerät überhaupt gegeben hat. So darf ich Ihnen raten: Suchen
Sie nach der Philetta 244, BD 244 U, aus dem Jahre 1954, der Philetta
263, BD 263 U, aus der Serie von 1956 oder der Philetta283,
BD 283 U, von 1958. Diese Geräte waren sicher das Herzstück
der Baureihe und hatten das zeittypische amerikanisch orientierte Design
der 50er Jahre. Spätere Modelle, besonders die Geräte der 60er
Jahre, wurden jähriich dem Modetrend bis hin zum Nordischen Stil
angepaßt.
Etwas Sakrales
Es gibt viele schöne Dinge im Leben. Das Leuchten der Skale und
des transparenten wuchtigen Gitterwerks der Lautsprecherverkleidung ist
bei der Philetta 283 typisch und erinnert im halbabgedunkelten Raum
an etwas Sakrales. Nur eine frühe Wurlitzer-Orgel kann da noch
mithalten.
Ein Hinweis sei an dieser Stelle noch gestattet: Die Empfänger
der Baujahre 1952 bis etwa 1962 hatten einen UKW-Bereich bis 100 MHz, der
ab etwa 1963 bis 104 MHz erweitert wurde. Heute reicht der UKW-Bereich
bis 108 MHz. Die gesamte Palette der gegenwärtig zu empfangenden UKW-Sender
werden Sie mit den Klassikern also nicht hören können,
das verbleibende Angebot dürfte aber in jedem Fall ausreichen.
| 1941 Philetta
1949 Philetta 49 Philetta A 1950 Philetta 50 Philetta A 50 1951 Philetta 51 Philetta 51 Philetta 51 1952 Philetta 52 Philetta 52 1953 Philetta 54 Philetta 54 Philetta 54 Philetta Philetta 1954 Philetta 244 Philetta 244 1955 Philetta 254 Philetta 254 Philetta 254 1956 Philetta 263 Philetta 263 Philetta 263 1957 Philetta 273 Philetta 273 Philetta 273 Philetta 273 Philetta 274 de Luxe 1958 Philetta 283 Philetta 283 Philetta 283 Philetta 284 de Luxe 1959 Philettina Philetta Wechselstr. Philetta Wechselstr. Philetta Allstrom Philetta de Luxe |
203 U
BD 293 U BD 294 U BD 290 U BD 200 U braun
|
1960 Philettina I
Philettina II Philettina III Philetta Allstrom Philetta Allstrom Philetta Wechselstr. Philetta Wechselstr. Philetta de Luxe (Philetta 208 de Luxe Philetta de Luxe 1961 Philettina 1 Philettina Philetta Wechselstr. Philetta Spezial 214 Philetta de Luxe Philetta Transistor 1962 Philettina Philettina Philetta 223 Philetta Spezial Philetta 321 de Luxe Philetta Transistor 1963 Philettina Philettina Philetta Philetta de Luxe Philetta modern 1964 Philetta de Luxe 1965 Philetta Philetta de Luxe 1966 Philetta Philetta de Luxe 1967 Philetta PhiIettaSL 1968 Philetta Euro Philetta de Luxe Euro |
B 0 X 15 U
B 1 D 12 A B 2 D 02 A B 2 D 01 U braun B 2 D 11 U elfenbein B 2 D 03 A elfenbein B 2 D 03 A gold B 2 D 04 U B 2 D 08 U)?? B 3 D 02 A B 0 X 15 U B 1 D 12 A B 2 D 13 A B 2 D 14 U B 3 D 11 A B 3 D 22 T B 0 X 15 U B 1 D 22 A B 2 D 23 A B 2 D 14 U B 3 D 21 A B 3 D 22 T B 0 X 19 U B 1 D 22 A B 2 D 33 A B 3 D 22 A B 3 D 33 A B 3 D 42 A B 3 D 53 A B 3 D 52 A 12 RB 263 12 RB 362 12 RB 273 12 RB 272 12 RB 280 12 RB 380 |