Typische
Merkmale der Radios aus den 50'er Jahren
- eine Richtschnur für eine kleine Sammlung
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Am Anfang stehen die Geräte noch mit den konstruktiven und
technologischen Merkmalen der 40'er. Z.B. eine oben liegende schräge
Glasskala, seitlicher Wellenschalter, schon mit UKW aber mit separatem
UKW-Tuner oder einem in den vorhandenen HF-Teil integrierten Empfangsbereich,
mit rundem Magischen Auge und noch ohne den später typischen
Tastensatz. Typisch ist die Verwendung von Rimlock-Röhren oder auch
Stahlröhren und von Gleichrichterröhren. Der Einheitsstil der
50'er hatte sich noch nicht durchgesetzt, wie man an den folgend bezeichneten,
für diese Epoche typischen Geräten (mit sehr unterschiedlichen
Gehäuseformen) erkennen kann:
Für Liebhaber von Stahl-, Rimlock- oder anderer
Uraltröhren kann als nächstes ein Großgerät mit
anspruchsvoller Technik interessant sein.
Auch bei diesen Radios zeigt die Gehäuseform noch Spuren der früheren
Jahre. Typisch für diese Epoche (1952-1954) ist auch die Mischröhrenbestückung
(z.B beim LORENZ Großglockner), also die Verwendung von Röhren
unterschiedlicher Serien.
Die Mitte der 50'er: Massenfertigung und hohe Qualität
in Technologie und Fertigung. Die Novalröhren haben sich durchgesetzt,
der Magische Fächer verdrängt das Magische Auge.
Der Konkurrenzkampf zwingt zu immer neuen Leistungsmerkmalen (heute:
"Fietschers") für jedes neue Modelljahr. Hauptkriegschauplatz
im Konkurrenzkampf ist die Verbesserung des Klangs. Grundig eröffnet
diese Runde mit der Einführung des "3D"-Klangs (zusätzliche
Seitenlautsprecher), fünf Lautsprecher im Gerät sind keine
Seltenheit, zusätzliche Klangregister, zweikanalige Tonverstärker,
Bezeichnungen wie Raumklang und 3D-Klang werden verwendet,
Kürzel wie "4R" (Rundstrahl, Raumklang, 4 Richtungen) oder
"4E" (=4 Endröhren) sollen den Käufer beiendrucken. Die
Differenzierung zum Wettbewerb wird durch technische Raffinesen
(z.B.
der Syntektor von Körting) und Spielereien (Motorsteuerung,
Anzeigelämpchen)
oder auch durch die Größe des Gerätes
(z.B.
die Schatullen von Siemens) gesucht. Bezüglich der Größe
werden die Kleingeräte
(als Zweitgerät) immer beliebter,
am oberen Ende der Skala stehen Musiktruhen gewaltigen Ausmaßes,
die Tonmöbel. Die Deutschen sind wieder zu Geld gekommen, der Kauf
auf Raten greift um sich. Mitte der 50'er wird das äußere Erscheinungsbild
der kleinen und mittelgroßen Geräte vom amerikanischen Stilelement
"(Plastik)-Grill" beeinflusst.
Auch in einer kleinen Sammlung sollten einige Geräte aus dieser
Epoche vetreten sein, hier eine Orientierungshilfe:
-
Ein Kleingerät, z. B. eine PHILIPS
Philetta oder ein TELEFUNKEN
Jubilate
-
Ein ganz normales, also urtypisches Gerät mit Standardröhrensatz,
z.B. SABA Wildbad W5
3D, TELEFUNKEN
Operette 6 oder SIEMENS
Super D7
-
Ein großes Gerät mit besonders schönem Holzgehäuse
und zum eigenen Mobilar passend, z.B: TELEFUNKEN
Concerto, SIEMENS
Super H53, GRAETZ
Sinfonia 4R oder eine SIEMENS
Schatulle
-
Ein Gerät mit technischen Besonderheiten, z.B. der KÖRTING
Syntektor , einen SABA
- Automatic oder das Flaggschiffeines
Modelljahres
-
Und wenn genügend Platz vorhanden ist, darf eine Musiktruhe
nicht fehlen.
Treffen Sie die Auswahl nach den örtlichen Gegebenheiten, denn hier
ist nicht die Sammlung im Kellerregal gemeint (die man natürlich
haben kann), sondern funktionstüchtige und benutzbare Radios.
Die späten 50'er bis ca. 1960, das Magische
Band löst den Magischen Fächer ab, die Holzgehäuse
wurden mit hochglänzenden und widerstandsfähigen Polyesterlacken
lackiert. Zur Auswahl können die gleichen Kriterien wie vorher benutzt
werden.
-
Ein typisches Standardgerät der Mittelklasse ist z.B. NORDMENDE
Turandot (Baujahr 1959/60)
-
Bezüglich der Geräte mit technischen Besonderheiten sei auf die
eisenlose
Endstufe beim PHILIPS
1002 oder auf den
-
automatischen Sendersuchlauf von SABA Meersburg
Automatic 125-Stereo hingewiesen.
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Ein Gerät mit hochglänzendem Kunststoffgehäuse und
Grill
ergänzt die Sammlung (sofern nicht bereits durch Philetta abgedeckt),
z.B. ein BLAUPUNKT Roma
2510 (Baujahr 1958).
Die Stereofähigkeit war jedoch noch auf den Tonteil (für Schallplattenwiedergabe)
beschränkt. Eine Sammlung, die sich genau auf das 50'er Jahrzehnt
beschränkt, sollte mit einem Gerät mit Spitzentechnologie (evtl.
mitPolyesterlack), die Leistungsfähigkeit der Rundfunkindustrie
am Ende dieses Jahrzehnts dokumentierend, abgeschlossen werden.
Die Sammlung kann aber auch die wenigen noch folgenden Jahre der Röhrenradios
(bis
Mitte der 60'er) mit einbeziehen.
Die frühen 60'er brachten die Nordische
Form ins Wohnzimmer. Aber nicht nur die Radios hatten das Nussbaum-
oder Teak-Furnier, auch die übrigen Wohnzimmermöbel (Schrankwände!).
Ein Vertreter der Nordischen Form darf auch in einer kleinen Sammlung
nicht fehlen, z.B.
Besonders erfreulich: Anfang der 60'er dehnten sich die UKW-Skalen
bis 104 MHz aus.
Auch die Fertigungstechnik ändert sich. Teile der Schaltung
(zunächst
im Tonteil) werden auf Pertinaxplatten als "gedruckte Schaltungen"
zuammengefasst, die Röhrensockel und die meisten Bauteile werden im
Lötbad schwallgelötet. Kostensenkung durch Automatisierung wird
immer wichtiger, die Löhne steigen und die Konkurrenz in Fernost beginnt
sich zu formieren.
Aber es läuft noch ein paar Jahre.
Bis Mitte der 60'er wurden die Radios vor allem
durch die Stereotechnik geprägt. Die Lautsprecher wanderten nach rechts
und links, was dann die flache (nordische) Form mit sich brachte.
Zur weiteren Verbreiterung der Stereo-Basis wurden die Lautsprecher in
separate Boxen eingebaut, übrig blieb das Steuergerät. Ein solches
Steuergerät, zum Beispiel
noch (fast) vollständig mit Röhren bestückt, kann
die Sammlung "Röhrenradios im UKW-Zeitalter" abschließen.
Bereits mit ca. 5 bis 10 ausgewählten Geräten können
die Meilensteine dieser Epoche dokumentiert werden. Aber ein Sammler, ersteinmal
infiziert, wird sich möglicherweise nicht von solchen Zahlen beeindrucken
lassen. Die hier vorgestellten Anhaltspunkte sind eben nur die Richtschnur
- die Geräte müssen Ihnen vor allem gefallen. Den Stereodekoder,
also Stereoempfang über die Antenne, findet man allerdings erst ab
1963.
Wer seine Sammlung bis zum Ende der Röhrenradios
ausdehnt, kann diese auch noch durch ein Modell aus den späten 40'ern,
also noch ohne UKW, ergänzen. Man hat dann die gesamte Nachkriegsepoche
dokumentiert, wenn man von den sogenannten Notradios der unmittelbaren
Nachkriegszeit absieht. Allerdings ist die Auswahl an 40'er Radios nicht
so groß, was an den geringeren Fertigungs-Stückzahlen liegt.
Ein weiterer Grund liegt darin, dass diese Geräte, wegen der Knappheit
zu Beginn der 50'er, häufig verbastelt wurden. Die Instandsetzung
erfordert mehr Fachkenntnisse, neue Röhren sind manchmal schwer beschaffbar
und nicht ganz billig.
Ergänzende Literatur: S.
Literaturhinweise in der Reparaturanleitung.