7.04 Kondensatoren: Tauschen oder nicht tauschen?

Die Ersatz- und Reparaturmöglichkeiten von Elektrolytkondensatoren wurden im Abschnitt 7.03 behandelt. Hier geht es um die vielen anderen Kondensatoren unterschiedlichster Bauart in unterschiedlichen Funktionen.
Im HF- Bereich bei Schwingkreisen werden hochwertige Kondensatoren auf Keramikmaterial oder auch Styroflexkondensatoren eingesetzt. Die Kapazitätswerte liegen im pF- Bereich. Sie sind meistens durch die parallel liegenden Spulen gleichspannungsmäßig kurzgeschlossen, werden also nicht belastet. Ein Ersatz ist daher im allgemeinen nicht erforderlich. Geringfügige Kapazitätsveränderungen können durch Nachgleich kompensiert werden. Koppel-  und Verkürzungskondensatoren im Hf- Bereich (ebenfalls im pF- Bereich) liegen in manchen Fällen an hohen Gleichspannungen, weshalb diese überprüft werden sollten. Keramische Röhrchenkondensatoren und keramische Scheibentrimmer sollten äußerlich (mechanisch) begutachtet werden. Unbeabsichtigte Gewalteinwirkung bei technischen Inspektionen können zu Bruch oder Kurzschluss führen. Für alle im Hf- Bereich eingesetzten Kondensatoren mit niedrigen Kapazitätswerten (pF- Bereich) ist aber die äußere Reinigung mit dem Wattestäbchen unerlässlich. Kondensatoren zur Abblockung von Gleich-spannungen (s. Abschnitt 2.03, S. 63 oben) werden im Hf- Bereich meistens keramisch ausgeführt (einige nF), in den übrigen Schaltungsteilen auch als Folien- (Wickel-) Kondensatoren. Sie sollten überprüft (gemessen!) werden, wenn die Anoden- oder Schirmgitterspannung der entsprechenden Röhre zu niedrig ist. Auf die Problematik der gewickelten Folienkondensatoren wird hier nochmals hingewiesen.
Im Tonteil sind die sogenannten Koppelkondensatoren zwischen Anode und Steuergitter der nachfolgenden Röhre besonders gefährdet, sie halten meistens keiner Überprüfung stand und müssen ersetzt werden (s. Abschnitt 3.02). Dabei spielt eine Abweichung des Kapazitätswertes vom Sollwert eine geringe Rolle, aber ein messbarer ohmscher Widerstand (meistens im MOhm- Bereich) kann nicht toleriert werden. Diese Kondensatoren sind nicht nur der hohen Leerlaufspannung ausgesetzt, der Betriebs(gleich-)spannung ist auch eine relativ hohe Signal-wechselspannung überlagert. Zum Messen müssen die Kondensatoren einseitig abgelötet werden. Als Koppelkondensatoren im Tonverstärker werden im Normalfall Wickelkondensatoren eingesetzt, gelegentlich findet man an dieser Stelle auch einen keramischen Röhrchenkondensator. Zeigt dieser auch einen ohmschen Übergangswiderstand, so kann sich eine Reinigung vom Schmutz als ausreichend erweisen.
Im Bereich der Endröhre finden wir meistens noch einen Kondensator an der Anode (ca. 1 bis 5nF), der ebenso wie ein eventuell vorhandener Koppel-kondensator zu einem elektrostatischen Lautsprecher, überprüft werden muss.

So weit wäre das noch überschaubar. Wenn da nicht die manchmal unzähligen Wickelkondensatoren im Klangregelnetzwerk des Tonverstärkers wären. Der Einsatz von hochwertigen Styroflexkondensatoren ist in diesen Bereichen leider selten.
Die Folienkondensatoren sind selten richtig defekt, weshalb der unerfahrene Restaurateur eventuell keinen Handlungsbedarf feststellt. Im Normalfall zeigen diese Kondensatoren bei einer Messung aber ungefähr den doppelten Kapazitätswert. Das muss im Einzelfall nichts bedeuten, weil die herstellungsbedingten zulässigen Abweichungen bis 30% betragen können (durften) aber bei komplexen Klangregelnetzwerken führt das wegen der Vielzahl von Kon-densatoren zu unbefriedigenden Ergebnissen. Man stellt dies fest, wenn die Höhen- und Tiefen-stellknöpfe nicht mehr deutlich reagieren und der Klang keine Brillanz zeigt. Weil diese Kon-densatoren meistens nur geringen Gleichspannungen ausgesetzt sind, tritt hier das Problem eines nachweisbaren ohmschen Wider-standes eher selten auf. Wäre eventuell auch zu tolerieren, wenn dem Kondensator zum Beispiel ein Widerstand im KOhm- Bereich parallel geschaltet ist.
Das Bild oben zeigt einen Teil des Nf- Verstärkers einer CAPELLA. Alle markierten Bauteile wurden ersetzt. Bis auf einen Leistungswiderstand an der Kathode einer  ....
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