Die Ersatz- und Reparaturmöglichkeiten von Elektrolytkondensatoren
wurden im Abschnitt 7.03 behandelt. Hier geht es um die vielen anderen
Kondensatoren unterschiedlichster Bauart in unterschiedlichen Funktionen.
Im HF- Bereich bei Schwingkreisen werden hochwertige Kondensatoren
auf Keramikmaterial oder auch Styroflexkondensatoren eingesetzt. Die Kapazitätswerte
liegen im pF- Bereich. Sie sind meistens durch die parallel liegenden Spulen
gleichspannungsmäßig kurzgeschlossen, werden also nicht belastet.
Ein Ersatz ist daher im allgemeinen nicht erforderlich. Geringfügige
Kapazitätsveränderungen können durch Nachgleich kompensiert
werden. Koppel- und Verkürzungskondensatoren im Hf- Bereich
(ebenfalls im pF- Bereich) liegen in manchen Fällen an hohen Gleichspannungen,
weshalb diese überprüft werden sollten. Keramische Röhrchenkondensatoren
und keramische Scheibentrimmer sollten äußerlich (mechanisch)
begutachtet werden. Unbeabsichtigte Gewalteinwirkung bei technischen Inspektionen
können zu Bruch oder Kurzschluss führen. Für alle im Hf-
Bereich eingesetzten Kondensatoren mit niedrigen Kapazitätswerten
(pF- Bereich) ist aber die äußere Reinigung mit dem Wattestäbchen
unerlässlich. Kondensatoren zur Abblockung von Gleich-spannungen (s.
Abschnitt 2.03, S. 63 oben) werden im Hf- Bereich meistens keramisch ausgeführt
(einige nF), in den übrigen Schaltungsteilen auch als Folien- (Wickel-)
Kondensatoren. Sie sollten überprüft (gemessen!) werden, wenn
die Anoden- oder Schirmgitterspannung der entsprechenden Röhre zu
niedrig ist. Auf die Problematik der gewickelten Folienkondensatoren wird
hier nochmals hingewiesen.
Im Tonteil sind die sogenannten Koppelkondensatoren zwischen Anode
und Steuergitter der nachfolgenden Röhre besonders gefährdet,
sie halten meistens keiner Überprüfung stand und müssen
ersetzt werden (s. Abschnitt 3.02). Dabei spielt eine Abweichung des Kapazitätswertes
vom Sollwert eine geringe Rolle, aber ein messbarer ohmscher Widerstand
(meistens im MOhm- Bereich) kann nicht toleriert werden. Diese Kondensatoren
sind nicht nur der hohen Leerlaufspannung ausgesetzt, der Betriebs(gleich-)spannung
ist auch eine relativ hohe Signal-wechselspannung überlagert. Zum
Messen müssen die Kondensatoren einseitig abgelötet werden. Als
Koppelkondensatoren im Tonverstärker werden im Normalfall Wickelkondensatoren
eingesetzt, gelegentlich findet man an dieser Stelle auch einen keramischen
Röhrchenkondensator. Zeigt dieser auch einen ohmschen Übergangswiderstand,
so kann sich eine Reinigung vom Schmutz als ausreichend erweisen.
Im Bereich der Endröhre finden wir meistens noch einen Kondensator
an der Anode (ca. 1 bis 5nF), der ebenso wie ein eventuell vorhandener
Koppel-kondensator zu einem elektrostatischen Lautsprecher, überprüft
werden muss.
So weit wäre das noch überschaubar. Wenn da nicht die manchmal
unzähligen Wickelkondensatoren im Klangregelnetzwerk des Tonverstärkers
wären. Der Einsatz von hochwertigen Styroflexkondensatoren ist in
diesen Bereichen leider selten.
Die Folienkondensatoren sind selten richtig defekt, weshalb der unerfahrene
Restaurateur eventuell keinen Handlungsbedarf feststellt. Im Normalfall
zeigen diese Kondensatoren bei einer Messung aber ungefähr den doppelten
Kapazitätswert. Das muss im Einzelfall nichts bedeuten, weil die herstellungsbedingten
zulässigen Abweichungen bis 30% betragen können (durften) aber
bei komplexen Klangregelnetzwerken führt das wegen der Vielzahl von
Kon-densatoren zu unbefriedigenden Ergebnissen. Man stellt dies fest, wenn
die Höhen- und Tiefen-stellknöpfe nicht mehr deutlich reagieren
und der Klang keine Brillanz zeigt. Weil diese Kon-densatoren meistens
nur geringen Gleichspannungen ausgesetzt sind, tritt hier das Problem eines
nachweisbaren ohmschen Wider-standes eher selten auf. Wäre eventuell
auch zu tolerieren, wenn dem Kondensator zum Beispiel ein Widerstand im
KOhm- Bereich parallel geschaltet ist.
Das Bild oben zeigt einen Teil des Nf- Verstärkers einer CAPELLA.
Alle markierten Bauteile wurden ersetzt. Bis auf einen Leistungswiderstand
an der Kathode einer ....
Bitte lesen Sie im Buch weiter:
ISBN-10: 383300357X
ISBN-13: 978-3833003578