2.11 Entwicklungsgeschichte und Datierung

Es begann nach 1945 mit den sogenannten Notradios, in denen auch noch Wehrmachtsröhren verwendet wurden. Der hier betrachtete Zeitraum beginnt aber erst 1950. Der UKW- Rundfunk wurde 1949 in Deutschland eingeführt, die Rundfunkgeräte wurden ab 1950 UKW- fähig. Mit Zusatzgerät oder mit in den Empfangsteil integrierten UKW- Bereich. Die Geräte der Jahre 1950 und 1951 hatten noch keine Drucktasten in der später üblichen Form, das Innenleben zeigte noch die konstruktiven Merkmale der 40er Jahre (bzw. von 1939).

Ab 1952 setzten sich bei den größeren Geräten die Drucktasten durch, die UKW- Empfangsschaltungen wurden qualitativ verbessert. Die Weiterentwicklung der Fertigungsstätten führte zu den typischen konstruktiven Merkmalen der 50er (z.B.: Biegen, bohren, nieten, stanzen, punktschweißen, Galvanik und Kunst-stoffspritzguss). Gefertigt wurde am Fließband Lötstelle für Lötstelle. Die Radios waren riesengroß, hatten einen ausgezeichneten Klang, waren Weltspitze und infolge der immer kleiner werdenden Röhren und Bauteile innen halbleer, bzw. boten Platz für 5 bis 6 Lautsprecher und sie sahen stark aus. Für damalige Verhältnisse jedenfalls. Klang war gefragt (3- D Klang), denn die UKW- Empfangsqualität sollte den Hörer auch erreichen. UKW und Kurzwelle (Radio Luxemburg auf 49m!) waren die beliebtesten Empfangsbereiche. Daher gab es in den 50ern auch Geräte mit besonderen Finessen für die Kurzwellenhörer.

In der zweiten Hälfte der Fünfziger setzte sich das amerikanisch beeinflusste Stilelement des Plastikgrills durch, der bei kleinen (PHILIPS Philetta) und mittelgroßen Geräten (BLAUPUNKT - Roma 2510) zu sehen ist, die Geräte wurden auch farbig. Die Deutschen konnten sich Zweitgeräte leisten. Zu den beliebtesten Geräten dieser Stilrichtung gehörte die Philetta von PHILIPS. Ab 1955 wurde auch versucht, von dem einheitlichen Aussehen der großen Radios wegzukommen und es entstanden interessante "moderne" Geräte. Die Firma BRAUN ist in diesem Zusammenhang zu nennen, der sogenannte "Schneewittchensarg" ist heute ein beliebtes Sammlerstück.

Ende der 50er wurden die größeren Radios stereofähig aber vorerst nur im Tonteil. Beim Baujahr 58/59 muss man aber noch damit rechnen, dass nur die Anschließbarkeit eines Zusatzverstärkers möglich war. Vollstereoempfang (Empfang von stereophon ausgestrahlten Rundfunkprogrammen) gab es erst ab 1963.

Die Stereowiedergabe setzte das Zeichen für einen konstruktiven Wandel: Die Lautsprecher wanderten nach rechts und links, die Gehäuse wurden flacher. Anfang der 60er trug man Nussbaum und Teak im Wohnzimmer, die nordische Form (SABA Konstanz Stereo) kam auf (flach, breit, Nussbaum / Teak- Gehäuse und dekorative Glasskala). Weil die Lautsprecher aber noch weiter auseinander stehen sollten, mussten diese bis Mitte der 60er das gemeinsame Gehäuse verlassen und bekamen jeder eine Box. Und damit leben wir heute noch: Das Steuergerät und separate Lautsprecherboxen. Der Stereoempfang führte bei den Musiktruhen zu riesigen Möbelstücken (mit Bar, Fernseher und allen Schikanen), denn hier war die Möglichkeit einer größeren Stereobasis noch nicht ausgeschöpft.

Soweit der große Rahmen. Anfang der 60er Jahre wurde der UKW- Empfangsbereich bis 104 MHz erweitert (s. auch Abschnitt 1.11).

Wenn keine entsprechenden Daten vorliegen, kann die Röhrenbestückung für eine genauere Datierung herangezogen werden. Ab 1952 standen z.B. die Röhren EC92 (UKW- Vorstufe), ECH81 (AM- Eingangs- und Mischstufe) und EABC80 (Demodulator und Nf- Vorverstärker), ab 1953 die EM80 (Magischer Fächer zur Abstimmanzeige) und EL84 (Endröhre) und ab 1954 ECC83 (Phasenumkehrstufe bei Gegentaktverstärkern) und ECC85 (UKW- Tuner) zur Verfügung. Das bestimmt aber nur das frühestmögliche Datum, manche Hersteller hatten langfristig eingekauft und verwendeten z.B. das runde magische Auge EM34/35 noch bis 1958. Bis zum Jahr 1952 dominierten noch die Rimlockröhren (z.B.: ECH42, EF41, EAF42, EBC41, EL41), in der Übergangsphase zur Novalserie finden wir für den Sammler interessante Mischröhrenbestückungen.

Weitere Hinweise zu den historischen Daten können den im Literaturverzeichnis aufgelisteten Büchern entnommen werden (z.B.: Ernst Erb: Radios von gestern. Hier wurden die obengenannten Verfügbarkeitsdaten für VALVO Röhren entnommen).

Ergänzend zum Abschnitt 1.11 kann die Nachkriegsepoche der Röhrenradios merkmalsorientiert wie folgt gegliedert werden:

a: Die Notradios nach 1945
b: Radios der späten 40er
c: Radios der frühen 50er
d: Radios aus der Mitte der 50er
e: Radios Ende der 50er / Anfang der 60er
f: Radios Mitte der 60er

Bitte lesen Sie im Buch weiter:
ISBN-10: 383300357X
ISBN-13: 978-3833003578