2.01 Allgemeine Hinweise zum Teil 2

Die folgenden Hinweise zur Fehlersuche sind in erster Linie für den Nichtfachmann geschrieben, jedoch in ansteigender Reihenfolge. Der Leser muss selbst beurteilen, was er sich zutrauen kann. Wir beginnen mit den einfachen Dingen, die zum Teil bei gezogenem Netzstecker durchgeführt werden. Im nächsten Schritt wird ein Universalmessgerät zum Messen von Gleich- und Wechselspannungen (bis 500 Volt) und Widerständen benötigt, das Arbeiten am offenen Gerät oder gar am ausgebauten Chassis ist dann nicht mehr vermeidbar. Es empfiehlt sich, das Chassis bei der Fehlersuche so lange wie möglich im Gehäuse zu lassen. Also wie beschrieben, wird das Gerät nach Abschluss der Maßnahmen nach Teil 1 zunächst wieder in das Gehäuse eingebaut. Der erfahrene Restaurateur wird eine fallweise Vorgehensweise wählen.

Es sei nochmals auf die erforderlichen Vorsichtsmassnahmen hingewiesen, wenn das Gerät bei abgenommener Rückwand  eingeschaltet wird. Dazu gehört, dass der Netzstecker sofort gezogen wird, wenn der Arbeitsplatz verlassen wird, vor allem dann, wenn Kinder in der Wohnung sind. Und noch ein Hinweis für Elektroniker oder Hobbyelektroniker: Das Erdungsband, das wir für unsere MOS- Schaltungen brauchen, legen wir ganz weit weg! Dafür holen wir die Schutzbrille (s. auch Abschnitt 2.02 S. 61) hervor, wenn wir am geöffneten Gerät arbeiten, ohne dass der Dauertest (s. Abschnitt 1.10) durchgeführt wurde. Es ist (nicht nur beim Verfasser!) vorgekommen, dass ein Wickelkondensator älterer Bauart, der vermutlich Feuchte gebunden hatte, nach ca. 30 Minuten Betriebsdauer nach  Wiederinbetriebnahme einfach explodiert ist. Beim Dauertest muss das Chassis daher unbedingt im geschlossenen Gehäuse montiert sein.
Im Gegensatz zu den im Teil 1 beschriebenen Maßnahmen muss nun sehr konzentriert gearbeitet werden. Arbeiten Sie daher niemals unter Zeitdruck oder Ablenkung, wenn der Netzstecker eingesteckt oder das Gerät eingeschaltet ist. Auch der Autor dieses Buches bekommt hin und wieder "einen gewischt" (durch die schutzgeerdete Arbeitsleuchte zum Beispiel), trotz aller Vorsichtsmaßnahmen und 50-jähriger Erfahrung. Benutzen Sie unbedingt 12 Volt- Halogenleuchten ohne schutzgeerdete Teile.

Wem Volt, Ampere, Ohm und Kirchhoff fremd sind, der muss sich mit dem ersten Teil dieses Buches begnügen, bzw. sich helfen lassen. Ist das Gerät wie beschrieben gereinigt, so wird sich auch ein Rundfunktechniker finden, der sich noch mit Röhrenradios auskennt. Der Brisanz des Themas angemessen, wird die Spannungsversorgung in zwei Kapiteln abgehandelt. Die Schaltungstechnik der Stromversorgung ist einfach, aber die Fehlersuche bei eingeschaltetem Gerät erfordert äußerste Vorsicht.

Wer sich selber in die Geheimnisse der Röhrentechnik einarbeiten möchte, wird noch alte Fachliteratur finden. Die Anschaffung eines Röhrentaschenbuches ist in jedem Fall empfehlenswert. Auch das Buch von Ernst Erb (s. Literaturhinweis 1 im Anhang 3) ist zur weiteren Einarbeitung in die technischen Grundlagen und zur systematischen Fehlersuche geeignet. Die Fehlersuche für Fortgeschrittene erfordert dann aber auch einen Stromlaufplan des Gerätes und einen Oszilloskop. In den weiteren Teilen dieses Buches werden einzelne Themen vertieft.

Wenn Sie unbedingt einen ganz bestimmten Gerätetyp instandsetzen wollen, bei dem auf den ersten Blick etwas mehr zu fehlen scheint, so versuchen Sie das gleiche Gerät noch einmal zu bekommen. Wer mit der Elektronik grundsätzlich vertraut ist, kann durch vergleichende Messungen gute Erfolge erzielen und im Notfall auch Bauteile tauschen. Diese Vorgehensweise ist zu empfehlen, wenn man wenigstens ein Gerät im Originalzustand, also als Sammlerstück erhalten möchte (zum Thema "Schrottgerät" siehe auch Abschnitt 1.01).

Und geben Sie nicht zu früh auf: Wenn Sie mit dem Klang nicht zufrieden sind obwohl Spannungen, Ströme und Röhren im Grünen Bereich sind, haben Sie sicher den einen oder anderen Kondensator übersehen. Nur wenige Kondensatoren sind total defekt, aber Sie werden bei Folien- und Elektrolytkondensatoren keinen finden, der bei einer Messung noch den Wert zeigt, den er haben sollte. Und damit sind wir schon bei der Kür: Zu beurteilen, welcher dieser Kondensatoren ausgewechselt werden muss und welcher verbleiben kann (s. Abschnitt 7.04). Es soll nicht verschwiegen werden, dass es Geräte gibt, die erst nach Ersatz fast aller Folienkondensatoren wieder zur Höchstform auflaufen. Aber verwenden Sie nur solche mit axialen Anschlüssen, das sieht einfach besser aus.

Bitte beachten Sie unbedingt, dass ein noch unbekanntes Gerät bei der Lokalisierung von Fehlern immer nur kurzzeitig eingeschaltet werden sollte, solange der Anodenstrom nicht gemessen und für gut befunden wurde und die Sicherung(en) überprüft wurde(n).
Bitte lesen Sie im Buch weiter:
ISBN-10: 383300357X
ISBN-13: 978-3833003578