1.03 Der Ausbau des Chassis

Zunächst muss untersucht werden, welche Drähte abzulöten sind. Im günstigsten Fall sind dies nur die Verbindungen zu den Lautsprechern. Falls der untere Gehäusedeckel nicht entfernt wurde, darf die Masseverbindung (s. Abschnitt 1.02 Seite 14) nicht vergessen werden. Auch diese Arbeiten müssen sorgfältig dokumentiert werden, die Drähte dürfen beim späteren Zusammenbau nicht vertauscht werden. Moderne Geräte aus den 60er Jahren haben eventuell Steckverbindungen bei den internen Kabeln. In älteren Geräten aus den frühen 50ern ist die Halterung für das Magische Auge möglicherweise am Gehäuse befestigt, auch kleinere Drucktastenfelder können zusätzlich am Gehäuse befestigt vorhanden sein. Bei der Anzeigeröhre kann die Fassung abgezogen werden, aber Vorsicht: Die älteren Magischen Augen haben einen angeklebten Sockel, der wie ein rohes Ei behandelt werden muss, damit dieser nicht vom Glaskolben gelöst wird. Denn noch wissen wir nicht, ob das Anzeigerohr noch lebt. Ebenfalls bei älteren Geräten kann es vorkommen, dass die Skala nicht am Chassis, sondern am Gehäuse befestigt ist, dann müssen die Bedienknöpfe vorher entfernt werden.

Wenn Sie nun den Eindruck haben, alle Drähte gelöst zu haben, machen wir uns an die Schrauben an der Gehäuseunterseite. Das Chassis wird durch Schrauben am Gehäuseunterboden gehalten (im Normalfall vier, manchmal auch mehr). Sind alle Schrauben mit Beilagscheiben entfernt, werden Sie feststellen, dass die dazugehörigen Gummidämpfer noch gut kleben. Man versucht, das Chassis vorsichtig mit einem Schraubendreher abzuheben. Je nach Ausführung fallen die Gummidämpfer nun herab oder bleiben haften, bzw. sind im Chassis oder im Gehäuse eingelassen.

Bei kleineren Geräten wird das Chassis manchmal auf seitlichen Schienen geführt und nach hinten herausgezogen. Die Befestigungsschrauben sind häufig gut versteckt. Mit diesen Schrauben wird manchmal auch die Ausrichtung der Chassisvorderseite justiert, was sich auf die Tastenbetätigung auswirken kann. Die Schrauben haben Sicherungsscheiben und werden zusätzlich mit Lack gesichert. Das Bild oben zeigt diese Befestigungsart am Beispiel einer Philetta. Am linken Bildrand ist das Langloch zu erkennen, das eine Justierung ermöglicht, ganz rechts erkennt man die mit Lack gesicherte Befestigungsschraube. Damit die Kunststoffbolzen mit Innengewinde nicht platzen, werden die Schrauben sanft mit Gefühl angezogen und anschließend mit Lack gesichert. Kleine Radios mit Kunststoffgehäusen müssen daher beim Versand sehr weich gelagert werden, die Befestigungselemente können bei starken Erschütterungen ausbrechen. Das trifft besonders für Wechselstromgeräte zu, die wegen des Netztransformators eine größere Masse besitzen. Das Bild auf Seite 17 zeigt auch die Rückseite der Tastenkappen, die in diesem Fall ohne Demontage mühelos von innen, wie im Abschnitt 1.05 Seite 24 beschrieben, mit einem Wattestäbchen gereinigt werden können.

Sobald sich das Chassis bewegt, muss auf die Glasskala des Gerätes geachtet werden. Dieses kostbarste Stück des Gerätes kann sich verklemmen oder auch festkleben. Daher machen wir uns sofort nach Ausbau des Chassis an den Ausbau der Glasskala, damit diese an einem sicheren Ort verwahrt werden kann. Dazu müssen alle Bedienknöpfe entfernt werden, was manchmal auch etwas Geduld und Fingerspitzengefühl erfordert. Achten Sie auf unterschiedliche Ausführungen rechts und links. Die meisten Knöpfe sind durch Madenschrauben gesichert. Einige, besonders die der Klangregler, auch durch Federn. Diese Knöpfe werden einfach abgezogen, in einigen Fällen muss dazu die Feder (im Bild links ist die Nut zur Aufnahme der Feder deutlich zu erkennen) mit einem kleinen Schrauben- dreher angedrückt werden. Aber manch- mal sitzen Bedien- knöpfe einfach fest. Und dann kann es passieren, dass man sie nicht in einem Stück lösen kann (s. kleines Bild links). Für solche Fälle hilft die Heißklebepistole mit einer möglichst harten Patrone, ein Bohrer dient als Dorn (s. kleines Bild rechts).Wichtig ist ein möglichst gleicher Farbton, damit die Reparatur nicht von außen zu sehen ist.

Die Skala ist an den Halterungen in Gummi eingebettet. Diese Gummis sind wichtig, können bei Bedarf neu zugeschnitten werden oder durch Textilklebestreifen, evtl. mehrlagig, ersetzt werden.

Der Skalenrand ist gegen das Gehäuse mit Schaumgummistreifen isoliert, auch damit es nicht zu Klirrgeräuschen kommt. Daher müssen diese später unbedingt ersetzt werden, sie zerfallen bei älteren Geräten. Auch hier kann später aus handelsüblichen Materialien Ersatz zugeschnitten werden. Wenn wir nun alle zugänglich gewordenen Nischen des Gehäuses und des Chassis nochmals vom Staub befreit haben, wenden wir uns dem nächsten Schritt zu.
Bitte lesen Sie im Buch weiter:
ISBN-10: 383300357X
ISBN-13: 978-3833003578